Bericht vom 21.09.2005 "Projekt für Jugendliche: Sucht und ihre Folgen"

Raus aus dem geschützten Raum Schule, hinein ins Leben - das will ein Projekt, das an der Werner-Porsch-Volksschule Speichersdorf in Zusammenarbeit mit dem Offenem Jugendtreff der Gemeinde läuft. Drei Tage lang soll es um psychische Erkrankungen durch
Drogenkonsum gehen, so Rektor Ludwig Würner. Am Dienstag, 27. September, sehen sich die Jugendlichen der achten und neunten Klassen und Mitglieder des Jugendtreffs im Bayreuther Cineplex einen Film zum Thema an. Am Mittwoch, 28. September wird ab 08.30 Uhr im Jugendtreff über Sucht diskutiert. Als Referent kommt Norbert Staffen von der Suchtberatungsstelle Lichtenfels. Um Suchtprävention geht es schließlich am Donnerstag, 29.09. um 09.30 Uhr ebenfalls im Jugendtreff.
Das Projekt ist eine Pflichtveranstaltung für die Schüler; Bewusst gehe man dabei in den Jugendtreff, weg von schulischen Räumen, so Rektor Ludwig Würner im Kurier-Gespräch. So könnten Jugendliche des Treffs, die nicht mehr zur Schule gehen, einbezogen werden. Würner verweist auf ein ähnliches Projekt, das bereits in Weidenberg gelaufen sei. Schirmherrschaft hat die Hanns-Seidel-Stiftung.

Bericht vom 29.09.2005 "Wer ist eigentlich verrücht?"

Mit Drogen- und Suchtproblematiken beschäftigen sich die achten und neunten Klassen der Werner-Porsch-Volksschule in Speichersdorf. Neben einem themenbezogenen Film bekamen die Jugendlichen Gelegenheit, mit einem ehemaligen Drogenabhängigen über seinen Weg in die Sucht und über seinen Kampf gegen die Drogen zu diskutieren.
Während die achten Klassen heute die Möglichkeit zum Betroffenengespräch wahrnehmen, setzten sich die beiden neunten Klassen bereits gestern mit dieser Problematik auseinander. Nach einem Vortrag - ermöglicht von der Hanns-Seidel-Stiftung, die das Projekt erstmals finanziert - begaben sich die Jugendlichen in den Jugendtreff Speichersdorf. In gemütlicher Atmosphäre startete die Referentin vom Verein "Irrsinnig menschlich" aus Leipzig, Dr. Manuela Richter-Werling, den Versuch, die Kinder langsam an die Thematik heranzuführen.
"Wer ist eigentlich verrückt? Und was wird in so einem Nervenkrankenhaus gemacht?" fragte Richter-Werling. Nur zaghafte Antworten bekam sie von den Jugendlichen: "Die Verrückten werden mit Tabletten voll gestopft", ertönte es aus einer Ecke. Ein Junge meinte: Ein Verrückter ist mit seinem Kopf nicht befreundet."
Doch als die Jugendlichen etwas von sich preisgeben sollten, fiel es ihnen sichtlich schwer. "Wenn ihr alles zurücklassen und auf eine große Reise gehen würdet, welche gute Eigenschaft von euch nehmt ihr mit?", fragte Richter-Werling. Fast durchwegs hieß die Antwort: "Ich weiß nicht."
Als jedoch der 33-jährige Sven Ramos das Wort ergriff, wurde es im Saal des Jugendtreffs sehr still und die Betroffenheit war den Schülern ins Gesicht geschrieben. Ramos berichtete über seine 15-jährige Drogenkarriere, seine daraus resultierende Psychose und über seinen Weg aus dem Drogenmillieu. Seine Psychose ließ ihn Stimmen wahrnehmen, die ihn keinen Moment losließen.
Die Schüler bekundeten mit enorm vielen Fragen ihr Interesse. "Wurden Sie gewalttätig? Dachten Sie an Selbstmord? Und hatten Sie Probleme mit der Polizei?", waren einige Themen, die besonders die Jungen interessierten.
Um auch die eher schüchternen Mädchen nicht zu kurz kommen zu lassen, bildeten die Veranstalter zwei Gruppen. Während sich die Mädchen damit beschäftigten, was sie wütend macht und was sie nervt, stellten sich die Jungen die Frage:"Was ist Schokolade für meine Seele, was tut mir gut?"
Beim Zusammentreffen der Gruppen sah man bereits Fortschritte. Nach fast drei Stunden gaben die Jugendlichen nun ihre persönlichen Empfindungen preis. Auf Nachfrage betonten sie durchwegs, viel über die Folgen von Drogen gelernt zu haben.